Kirchengemeinden Happurg und Kainsbach

Evangelisch-Lutherische Kirche

Abendgebet 22 - 9. Sonntag nach Trinitatis

 Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Altar

 

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Entzünden einer Kerze

 

Lied Evang. Gesangbuch 651 – „Ubi caritas“


Ubi caritas et amor, ubi caritas, deus ibi est.

Wo die Liebe wohnt und Güte, wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott.

Eröffnung


Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.


 

Psalm 127,1-2 + Gebet


Wenn der Herr nicht das Haus baut,
so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der Herr nicht die Stadt behütet,
so wacht der Wächter umsonst.

Wirke du in uns, Herr,
stärke unsere Hände, dass wir nicht umsonst arbeiten,
leite unsere Füße, dass sie auf dem rechten Weg bleiben,
erfülle unsre Herzen mit Vertrauen und Liebe zu dir. Amen.


Lesung: Jeremia 1,4-10

 

Das Wort des HERRN erging an mich, er sagte zu mir: »Noch bevor ich dich im Leib deiner Mutter entstehen ließ, hatte ich schon meinen Plan mit dir. Noch ehe du aus dem Mutterschoß kamst, hatte ich bereits die Hand auf dich gelegt. Denn zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.« Ich wehrte ab: »Ach, HERR, du mächtiger Gott! Ich kann doch nicht reden, ich bin noch zu jung!« Aber der HERR antwortete mir: »Sag nicht: 'Ich bin zu jung!' Geh, wohin ich dich sende, und verkünde, was ich dir auftrage! Hab keine Angst vor Menschen, denn ich bin bei dir und schütze dich. Das sage ich, der HERR.« Dann streckte der HERR seine Hand aus, berührte meine Lippen und sagte: »Ich lege meine Worte in deinen Mund. Von heute an hast du Macht über Völker und Königreiche. Reiße aus und zerstöre, vernichte und verheere, baue auf und pflanze an!«

(Bibelübersetzung: Gute Nachricht)

Predigt zu zu Jeremia 1,4-10

Liebe Gemeinde,

hier legt einer dar, warum er nicht schweigen konnte, sondern reden musste. Hier will einer erklären, warum er sich das Recht herausnimmt, bei gesellschaftlichen und politischen Missständen, den Finger in die Wunde zu legen. Hier erzählt einer, woher er seine Legitimation hat, zu predigen. Es ist der Prophet Jeremia, der hier seine Berufungsgeschichte erzählt und sich damit wichtig macht. Er erzählt, dass das Wort des Herrn zu ihm erging. Wann, wie und wo das geschah, erfahren wir nicht. Nur der Inhalt jenes Worts ist für ihn von entscheidender Bedeutung. So erfährt Jeremia, dass Gott, der ihn erschuf, längts über sein Leben entschieden hat. Und das sei nicht erst am Tag der Berufung geschehen, auch nicht bei der Geburt, sondern schon während der Schwangerschaft seiner Mutter als er noch im Bauch war. In freier Wahl hat Gott ihn da schon für seinen Dienst auserwählt und ihn zum Propheten für die Völker bestellt. Gefragt, ob er das will, wurde Jermia nicht.

Am Tag der Berufung wagt Jeremia den Einspruch und stellt fest, dass er sich diesem Auftrag Gottes nicht gewachsen sieht. Zum einen sagt er, fehle ihm die Gabe zu reden und zum anderen habe er weder Erfahrung noch die nötige Reife des Alters. Ein verständlicher Einwand. Denn damals wurde in Israel das Wort der Alten mit ihren Lebenserfahrungen besonders geachtet. Doch Gott lässt den Einwand nicht gelten. Gott fühlt sich bei seiner Auwahl nicht an die Fähigkeiten des Menschen gebunden. Ob Jeremia taugt oder nicht, diese Entscheidung macht Gott zu seiner eigenen Sache.

Für uns heute wäre das unvorstellbar, nicht selbst entscheiden zu dürfen, was man will und ob man sich einer Aufgabe gewachsen sieht. Wir legen großen Wert auf die Selbstbestimmung. Aber ob wir wirklich in allen Bereichen unseres Lebens die Dinge wirklich selbstbestimmt in Händen halten, bezweifle ich. Wer konnte schon beeinflussen, in welche Familie er hineingeboren wurde, in welchem Land er aufwuchs, wie gesund er ist, welche Gaben man hat. Es gibt so Vieles im Leben, das uns vorgegeben ist. Im Grunde sind wir ohne unser Zutun an einen Ort gestellt im Leben, wo wir gefordert sind, uns nach bestem Wissen und Gewissen einzubringen. Und wenn ich mich so umschaue in Schupf, dann sehen ich hier viele, die das ernst nehmen, die sich nicht nur aufs Zuhause konzentrieren, sondern auch in der Dorfgemeinschaft einbringen, in der Feuerwehr, bei den Kirwaboum, im Schützenverein, in der Kirchengemeinde. Und wo auch immer wir uns einbringen, merken wir: Es geht nicht immer alles leicht von der Hand. Manchmal muss ich auch etwas tun, was einem nicht so liegt. Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Jeremia sieht sich vor Aufgaben gestellt, denen er sich nicht gewachsen fühlt. So bestimmend Gott ihn auch fordert, nicht zu kneifen, sondern sich den Aufgaben zu stellen, so bestimmend Gott ihn Gott auch fordert, so lässt er ihn doch nicht allein. Gott sagt ihm: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin mit dir und will dich erretten.“ Kraftvolle Worte sind das, die dem Jeremia zugesprochen werden, Worte, die Mut machen sollen, aber auch durchblicken lassen, wie schwierig es werden würde. Denn errettet werden muss man schließlich nur aus Situationen, die brenzlig sind. Und dennoch fügt sich Jeremia dem Auftrag Gottes. Wer sich mit der Person des Propheten genauer beschäftigt, der wird merken, dass Jeremia das nicht immer leicht fiel. Immer wieder fehlten im das nötige Selbsvertrauen und Gott vertrauen. Immer wieder plagten ihn Zweifel über sich selbst und an Gott. Immer wieder fragte er sich: Ist es nützlich, was ich tue? Verändert sich was durch mein Reden? Hat mein Wort überhaupt eine Bedeutung? Das macht den Jeremia so ehrlich menschlich. Er ist kein strahlender Held, sondern einer, der sich durchbeißen muss. Gerade deshalb wird er für uns zum Vorbild, sich wie er, seinen Aufgaben zu stellen und die Herausforderungen, die damit verbunden sind, anzunehmen.

Nun geht es in der Berufungsgeschicht nicht um irgendwelche Aufgaben, sondern ganz konkret darum, dass Gott Jeremia für seine Dienste in Anspruch nimmt. Jeremia soll predigen und Gottes Wort weitergeben. Und er soll dabei auch dorthin gehen und Menschen ansprechen, wo er auf Ablehnung stößt. Gottes Auftrag beinhaltet keinen Kuschelkurs, er fordert Menschen ganz und gar. Zugleich macht aber die Berufungsgeschichte auch deutlich: Der Erfolg hängt nicht an Jeremia. Er ist nur der Überbringer von Gottes Wort, von seiner Botschaft. Der Erfolg hängt an Gott selbst.

Gerade in einer Zeit wo die Kirchen es immer schwerer haben, Menschen anzusprechen. In einer Zeit, wo die Kirchen leerer werden, da tut es gut, sich daran zu erinnern: Die Kirche hängt nicht von uns ab, sondern von Gott. Wir sind nur seine Gemeinde, wir sind nur die Boten, die er in Dienst nimmt für sein Werk und jeder hat da seine ganz eigene Bestimmung und Aufgabe. Aber ob es gelingt und wie es gelingt, was wir tun für die Gemeinde, liegt in Gottes Hand. Wir mögen da und dort zweifeln wie Jeremia. Wir mögen danach fragen, wo Gott überhaupt ist, warum er es uns so schwer macht in diesen Tagen, warum er, der Gott des Lebens, so große Not wie im Libanon zulässt? Gerade solche Not lässt doch andere behaupten: Wir sind auf uns gestellt. Es gibt keinen Gott, der uns hilft.

Die Berufungsgeschichte Jeremias hält dagegen und sagt: Gott lebt und er greift ein mitten in das Leben. Er gebraucht Menschen wie ein Werkzeug, er redet und spricht zu uns bis heute durch seine Boten. Es ist nicht wahr, dass er nicht handelt und dass er schweigt. Wahr ist, dass er schon vor Zeiten geredet hat durch seine Propheten und vor allem durch seinen Sohn Jesus Christus. Es geht darum, die Ohren offenzuhalten für die Stimme Gottes, die auch heute noch zu uns spricht. Die Kirchen sind Ressonanzräume der Stimme Gottes. Sie sind Orte, wo Gott selbst zur Sprache kommen soll, wo er redet, wo sein Wort im Mittelpunkt steht. Und ich habe das Gefühl, dass gerade unsere Zeit, wo so viele Worte gemacht werden, wo sich alles um uns dreht, dass gerade unsere Zeit die Stimme Gottes besonders braucht.

 

 

Zum Nachsinnen, Flöte:

 

 

Gebet

Lass mich nicht nur vom Glück träumen
oder mich darnach sehnen
oder immerzu davon reden.
Herr, lass mich zu dir kommen,
mit dir sprechen,
hilf mir beten.

Schenke du mir Kraft,
lass mich Frieden finden
und alles überwinden, was meine Wege wegführt von dir.
Herr, schenke mir deine Pflege und bleibe du bei mir.

(Oskar Loy)

Vater unser ...

Segensbitte

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
leg ich meinen Tag in deine Hand.
Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen,
sei mein Gestern, das ich überwand. Amen.

(Edith Steint)

 

 Autor: Pfarrer Gottfried Kaeppel
  Happurg 09.08.20