Kirchengemeinden Happurg und Kainsbach

Evangelisch-Lutherische Kirche

 Herzliche Einladung zum Gebet in den eigenen vier Wänden nach dem Abendläuten.
Es soll eine Oase sein inmitten dieser Wüstenzeiten.

 

Verlauf:

  • Glockenläuten: Kainsbach 20.00 Uhr / Happurg 20.00 Uhr
  • Danach: Lied (sonntags mit Bläsern der Posaunenchöre an den eigenen Fenstern)
  • Entzünden der Kerze
  • Liturgie und Verkündigung nach Vorschlag von Pfarrer Kaeppel (siehe unten)

 Glocken schmalFoto: epd bild/Jens Schlueter

Unsre Vorschläge fürs Abendgebet ändern sich online von Woche zu Woche.
Schauen Sie deshalb jeden Sonntag neu auf unsere Homepage.

Es ist wichtig, dass wir in diesen Zeiten trotz Abstand zusammenhalten; deshalb:

Bitte erinnern Sie andere an dieses Angebot per Telefon.

Danke für Ihre Unterstützung!

 

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Beten heißt, sein Herz vor Gott auszuschütten, ihm Freude und Leid mitzuteilen.
Das kann ich ganz verschieden tun: im Stillen, laut oder schriftlich, gemeinsam oder allein.

Momentan findet wegen des Corona-Virus bei uns kein Gottesdienst statt und die Kirche ist zu.
Deshalb bieten wir Ihnen an, hier Ihr persönliches Gebetsanliegen in den Gebetskasten zu werfen.
Denn das Beten füreinander verbindet trotz Abstand.

Wir behandeln Ihr Gebet vertraulich. Es wird nicht veröffentlicht.

Die jeweils eingegangenen Gebete wird unser Pfarrer für Sie in der Kirche am Altar betend vor Gott bringen.

Mein Gebet 
    

 Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wegkreuz

 

Zum Ausdrucken:

PDF Document icon   Abendgebet  

 

Entzünden einer Kerze

 

Lied Evang. Gesangbuch 165,1 – „Gott ist gegenwärtig


Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.

Gott ist in der Mitte.
Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.

Wer ihn kennt, wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.

Eröffnung und Psalm 34 allein oder im Wechsel


Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich will den Herrn loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,
dass es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den Herrn
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Da auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht wird nicht beschämt.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

 

Lesung: Hebräer 13,1-3

 

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe!

Vernachlässigt nicht die Gastfreundschaft; denn durch sie haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Gedenkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und derer, die misshandelt werden, als solche, die selbst auch noch im Leib leben.



Predigt zu Hebräer 13,1-3

Liebe Gemeinde,

an einem Haus las ich folgenden Spruch:

„Dies Haus ist mein und wieder nicht mein.
Beim Nächsten wird‘s nicht anders sein.
Und auch den Dritten trägt man bald hinaus
Nun sag mir, wem gehört dann dieses Haus.“

Eigentlich keinem, ging mir als Antwort durch den Kopf. Keinem gehört das Haus wirklich, denn die Eigentümer besitzen das Haus nur eine Zeitlang. Nur eine bestimmte Zeit ist ihnen das Haus anvertraut, nur vorübergehend dürfen sie sich darum kümmern und das Leben darin gestalten. Aber dann wird die Zeit kommen, zu der sie das, was ihnen gehörte, wieder loslassen müssen, damit der Nächste darin sein Glück suchen kann.

Diese Erfahrung fasst der Hebräerbrief, aus dem wir eben einen Ausschnitt gehärt haben, treffend in Worte: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Wir sind unterwegs, wir sind gleichsam auf der Durchreise zu einem anderen Ort. Diese Erkenntnis relativiert so Manches im Leben. Sie hilft, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Nicht am Besitz, am Geld, am Erfolg des alltäglichen Lebens soll unser Blick haften bleiben. Sie alle sind einem vorübergehend gewährt, sind vergängliche Güter, sie sind nur Mittel zum Zweck. Anderes ist wesentlich. Der Hebräerbrief zählt hierzu die Bruderliebe, Gastfreundschaft und die Gefangenenfürsorge auf.

Das Wesentliche im Leben ist schnell aufgezählt. So leicht leben lässt sich’s aber nicht, wie folgende Begebenheit verrät: Von seinem Patenonkel erhielt Max eine Tafel Schokolade geschenkt. „Vergiss deinen jüngeren Bruder nicht“, ermahnte ihn seine Mutter. „Er wird sich sehr freuen, wenn du die Schokolade mit ihm teilst.“ Max brummte vor sich hin und brach dann schweren Herzens die Tafel in zwei Teile. Nachdem er die beiden Hälften miteinander verglichen hatte, drückte er seinem Bruder den kleineren Teil in die Hände. „Max, weißt du nicht, dass man beim Teilen immer dem Anderen die bessere Hälfte gibt?“, erinnerte die Mutter an die ungeschriebene Regel. Max überlegte kurz und drückte seinem jüngeren Bruder die beiden Teile in die Hand und meinte: „Dann soll er teilen!“

Ob alle so auf den Einwurf der Mutter reagiert hätten? Max hätte auch mit den Achseln zucken können. Er hätte auch sagen können: „Die hab doch ich geschenkt bekommen und nicht mein Bruder.“ Teilen fällt nicht leicht, auch nicht in der Familie, auch nicht unter Brüdern oder Schwestern. Wenn es darauf ankommt, so ist man gerne auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Gerade deshalb bleibt die Erinnerung an die Bruderliebe auch heute noch aktuell. Interessant ist allerdings, dass der Hebräerbrief die Regel aus dem Familienleben auf das Miteinander in der Gemeinde überträgt. Auch dieses Sozialgefüge braucht ein gutes Miteinander. Miteinander umgehen wie mit Brüdern oder Schwestern, miteinander umgehen als gehörten auch die anderen Gemeindeglieder auch zur Familie, solcher Umgang prägte das Miteinander der ersten Christen und sollte auch so bleiben. Aber im Laufe der Geschichte zeigte sich an den Streitigkeiten zwischen den Konfessionen, dass das einigende Band der Liebe immer wieder vergessen wurde. Trotz aller Unterschiede, die es zwischen Christen gibt, sind wir doch am Leib Christi zu einer großen Familie verbunden. Und ehrlich gesagt, empfinde ich den Austausch zwischen unterschiedlichen Ansichten, Traditionen, Gebetsformen und Stilen als belebend.

Der Hebräerbrief richtet den Blick aber auch auf die Fremden und weitet so den Blick noch ein Stück weit. Mittels der Gastfreundschaft soll das Miteinander auch den Fremden zugutekommen. Damit greift der Brief einen Aspekt auf, der in der Antike vielerorts geachtet wurde, ja sogar den Rang einer heiligen Ordnung hatte. Gastfreundschaft war etwas ganz Selbstverständliches. Und in der antiken Literatur wird vielfach geschildert, welchen Wert sie hat. So heißt es von dem Philosophen Platon, dass er seine Gedanken bei Gastmahlen entwickelt habe. Und auch von Jesus wird erzählt, dass er sich bei Menschen eingeladen habe und dadurch eine Vertrautheit entstand, bei der sich die Menschen öffnen konnten. Die Geschichte vom Zachäus wäre hier ein griffiges Beispiel. Weil Jesus in dessen Haus und an dessen Tisch Platz genommen hatte, setzte bei Zachäus ein Prozess der Wandlung ein, so dass er bereit war, sich zu ändern. Gastfreundschaft schafft Räume der Begegnungen, wo Menschen sich verändern, wo Gastgeber erfahren, dass sie nicht nur geben, sondern auch selbst beschenkt werden. Wie wertvoll Einladungen sind, wie sehr wir sie vermissen, wenn sie nicht möglich sind, das können viele unter uns aus ganz aktuellem Anlass bezeugen. Noch ein anderer Aspekt wird vom Thema Gastfreundschaft ins Gespräch gebracht: Die Frage, wie wir mit Menschen umgehen, die auf der Flucht sind. Diese Frage ist noch immer aktuelle, auch wenn die Flüchtlingsströme hierzulande abgeflaut sind. So sind sie doch weltweit nicht zurückgegangen. Wie notwendig es ist, dass sich unsere Gesellschaft sich mit dieser Frage auseinandersetzt und tragfähige, menschenfreundliche Lösungen findet, zeigt jüngst die Aufnahme hunderter kranker Kinder und ihrer Familien aus Flüchtlingslagern in Deutschland. Die Flüchtlinge brauchen Hilfe, sie brauchen Gastfreundschaft. Sie brauchen aber auch Hilfen, die ihnen ein menschenwürdiges Leben im Heimatland ermöglicht. Wir sind nur kleine Rädchen in einem großen Getriebe. Doch schon mit unsrer Haltung, mit unsrer Einstellung zu dieser Fragestellung können wir etwas bewegen, können wir unser Miteinander und das unsrer Kinder prägen.

Mit der Gefangenenfürsorge lenkt der Brief den Blick auf die Menschen am Rande der Gesellschaft. Man könnte meinen, dass die Not, die die Menschen im Gefängnis leben, selbstverschuldet ist und es nur gerecht ist, dass sie jetzt die Konsequenz dafür tragen. Aber auch diese Menschen sollen nicht vergessen werden. Auch wer Schuld auf sich geladen hat, bedarf der Zuwendung.

So spricht der Brief verschiedene Facetten des Miteinanders an, die auch heute noch aktuell sind und uns noch herausfordern. Gutes Tun, für ein gutes Miteinander sorgen, das verlangt viel von einem ab. Da und dort muss man auch Opfer bringen, eigenes aufgeben für das Wohl anderer. Das ist nicht leicht. Auch der Hebräerbrief bringt das Tun von Gutem mit dem Darbringen von Opfern in Verbindung. Allerdings ist damit nicht gemeint, dass man Gott damit freundlich stimmt. Es ist vielmehr ein Ausdruck der Dankbarkeit für all das, was Gott an einem selbst getan hat. Es ist eine Form, Gott zurückzugeben, womit man selbst gesegnet wurde.

Bei all den Herausforderungen um uns könnten wir müde werden bei unserem Vorhaben, Gutes zu tun. Wer aber auf Gott schaut, sich immer wieder neu davon inspirieren lässt, wie Gott selbst einen langen Atem hat und uns nicht aufgibt, wie er selbst unser Leben immer wieder neu segnet, so kann auch der immer wieder neu anfangen, Jesus nachzufolgen und so zu leben, wie es Gott gefällt.

 

Gebet

Wir danken dir, Herr Jesus Christus,
dass du uns heute wieder zurückgerufen hast zu dir,
zur Anbetung vor deinem Angesicht,
zum Lobpreis alles dessen, was du für uns getan hast.

Herr, räume in uns alles weg,
was dem Dank gegen dich widerstrebt,
und lehre uns, unser Leben im Dank für dich und aus Dank zu dir zu leben. Wehre aller Vergesslichkeit unseres Geistes und erinnere uns durch deinen Geist, täglich an dich zu denken.

Hilf uns, dass der Dank auch in unserem Leben erkennbar wird, darum bitten wir dich in dieser Stunde.

(Karl Hartenstein, leicht verändert)

Vater unser ...

Segensbitte

Bestärke uns, Herr, in der Gewissheit,
dass dein Reich an jedem neuen Tag beginnt
und du uns unmerklich, aber sicher
zu deiner Liebe führst, die wir spüren, indem wir sagen:
„Herr, bleibe bei uns an diesem Tag, der schon zu Ende geht, in dieser Nacht, die anbricht, und auch an dem Tag, der danach kommt.
Bleibe bei uns bis in alle Ewigkeit.“
Amen.

(Gebet von Pierre Griolet)

 

 

Louis Vierne, Finale aus Symphonie No.1, Op.14

Musik aus der Cathedrale de Nantes, Frankreich; historisches Instrument aus dem 17./18 Jh. ist letzte Woche leider komplett verbrannt.




Autor: Pfarrer Gottfried Kaeppel
  Happurg 26.07.20

 

 

 Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wegkreuz

 

Zum Ausdrucken:

PDF Document icon   Abendgebet  

 

Entzünden einer Kerze

 

Lied Evang. Gesangbuch 482 – „Der Mond ist aufgegangen




Eröffnung und Psalm 34 allein oder im Wechsel


Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich will den Herrn loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,
dass es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den Herrn
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Da auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht wird nicht beschämt.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

 

Lesung: Römer 8,12-17

 

Brüder und Schwestern, das bedeutet: Wir sind unserem irdischen Leib gegenüber nicht mehr verpflichtet, so zu leben, wie es unsere irdische Gesinnung verlangt. Wenn ihr nämlich so lebt, wie es eurer irdischen Gesinnung entspricht, müsst ihr sterben. Wenn ihr aber mithilfe des Heiligen Geistes eure irdischen Gewohnheiten tötet, werdet ihr leben. Alle, die sich vom Geist Gottes führen lassen, sind Kinder Gottes. Ihr habt ja nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht. Dann müsstet ihr doch wieder Angst haben. Ihr habt vielmehr einen Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht. Weil wir diesen Geist haben, können wir rufen: »Abba! Vater!« Und derselbe Geist bestätigt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn wir Kinder sind dann sind wir aber auch Erben Erben Gottes und Miterben von Christus. Voraussetzung ist, dass wir sein Leiden teilen. Denn dadurch bekommen wir auch Anteil an seiner Herrlichkeit.



Predigt zu Römer 8,12-17

Familie, liebe Gemeinde, Familie haben alle! Jede und jeder hier in Kainsbach hat eine Familie. Auch die, die sich einsam fühlen und alleine leben. Denn jeder hat Vater und Mutter, Großeltern und Urgroßeltern. Jeder hat eine Herkunftsfamilie, auch wenn jemand als Waise seine Eltern nie kennengelernt hat. Alle haben eine Familie aus der sie stammen und in die sie stark oder weniger stark verwurzelt sind.

Die Familie, von der ich herkomme, hat mein Leben geprägt. Im Schutz meiner Familie habe ich laufen gelernt, habe Schritt für Schritt immer mehr von der Welt entdeckt und viele Erlebnisse in mich aufgenommen. Die Erinnerungen an viele dieser Erlebnisse begleiten mich bis heute. Wenn ich von Ferien erzähle, die ich im Schwarzwald zusammen mit meiner Familie verbracht habe, dann werden in mir schöne alte Kindheitserinnerungen wach. Wenn ich von meinen Großeltern, Eltern oder Geschwistern erzähle, - und da gäbe es viel zu erzählen – dann ist das alles ein Stück meiner Lebensgeschichte und ein Teil meiner eigenen Identität.

Manche Menschen fällt es schwer, von ihrer eigenen Familie zu erzählen. Vielleicht, weil sie selbst keine so schönen Erinnerungen an ihre Familie haben. Vielleicht, weil sie einsam sind, ihre Familie vermissen oder sie sich nur zu gerne eine Familie um sich herum wünschen.

Alle Menschen haben Familie, aber nicht alle Menschen haben eine glückliche Familie und nicht alle Menschen leben in einer Familie.

Einsame Menschen sehnen sich nach anderen, die ihr Leben mit ihnen teilen oder wenigstens immer wieder einen Moment mal für sie Zeit haben. Diese Sehnsucht zeigt, wie sehr wir Menschen einander brauchen. Die Beziehung zwischen den Menschen schafft Lebensfreude. Umgekehrt zerfällt diese Lebensfreude, wenn Beziehungen fehlen oder zerbrechen.

Immer wieder lese ich in der Zeitung oder im Internet Berichte von Familientragödien. Es sind schlimme Bilder, die da in mir aufsteigen. Bilder von Streit, Hass, Wut und Verzweiflung. In manchen Familien herrscht ein roher Umgangston. Keiner spricht wirklich mit dem anderen. In manchen Fällen rutscht vielleicht auch mal die Hand aus und erleben Menschen gewalttätige Züchtigungen. In wieder anderen Familien lebt jeder nur für sich. Da gibt es nichts Gemeinsames. Einige Jugendliche werden auch in Internate weggeschoben von zu Hause. Auf einer Internetseite über Straßenjugendliche in Deutschland habe ich erfahren, dass eine der Ursachen für das Verlassen der Familie die angespannte Beziehung der Kinder und Jugendlichen zu ihren Eltern ist.

Menschen brauchen Beziehungen, in denen sie Achtung und Wertschätzung spüren und in denen sie das Gefühl bekommen, geliebt zu sein. Der Umgang untereinander, den Menschen in ihrer Familie erlebt haben, prägt sie. Diese Erlebnisse begleiten und beschäftigen sie auf ihrem ganzen Lebensweg.

Wie kann sich in zerrütteten und zerstrittenen Familien wieder ein wertschätzendes Leben entfalten? Als ich bei der Vorbereitung auf diese Predigt zu verstehen versuchte, was der Apostel Paulus in seinem Brief den Menschen in Rom wirklich sagen wollte, glaubte ich, dass in diesen Zeilen vielleicht ein hilfreicher Impuls stecken kann.

In dem Brief ist auch von einer Beziehung die Rede. Dort geht es um die Beziehung zwischen Gott als Vater und seinen Kindern. Voller Vertrauen auf ihren Vater rufen, vielleicht auch schreien die Kinder: Vater, Vater! Sie rufen, weil sie innerlich spüren: Dem kann ich vertrauen. Das ist mein Vater und ich bin sein Kind. Er sorgt für mich, er ist für mich da. Hier wird deutlich: Gott will eine Beziehung, in der wir uns geliebt fühlen. Gott will eine Beziehung, in der wir uns frei fühlen von Furcht und Zwängen. Gott befiehlt nicht, dass die Kinder sich ihm zuwenden. Nein, er lässt ihnen die Freiheit, sich ihm zu oder abzuwenden. Von der liebe-vollen Zuwendung Gottes ist das Kind aber so ergriffen, dass es unbe-dingt haben will, dass Gott zu ihm herschaut, es sieht und sich an ihm freut. Dieses Rufen zeugt von großem Vertrauen auf Gott und seine Hilfe.

Diese Beziehung von Gott und seinen Kindern ist für mich ein Vorbild, wie Menschen in einer Familie miteinander umgehen können. Da ist die Aufmerksamkeit Gottes und das Vertrauen der Kinder.

In einer zerstrittenen Familie kann es oft wichtig sein, erst einmal miteinander ins Gespräch zu kommen und das Problem zu klären. Manchmal sind die Emotionen so stark, dass ein solches Gespräch sehr schwierig wird. Den anderen dann mit Argumenten unbedingt zum wertschätzenden Umgang zu überreden, funktioniert nicht. Menschen müssen sich von innen her ändern. Das können wir selber aus unserer Kraft heraus nicht tun.

Die herzliche Beziehung Gottes zu uns, dem Vater, dem ich alle Sorgen ans Herz legen kann, ist ein gutes Vorbild fürs Miteinander. Ihm kann ich all das zu Füßen legen, was mich belastet. Sollte es mir schwerfallen, zu beten, so kann ich Gott um Hilfe bitten. Er kann mir helfen, den Kontakt zu ihm zu erneuern. Er kann mich öffnen und verändern genauso wie den Menschen, der mir das Leben so schwer macht. Ich kann beten: „Lieber Vater, hilf mir zu einem neuen guten Miteinander.“ Im Gebet darum bitten und betteln ist nicht umsonst. Davon bin ich überzeugt.

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Gebe Gott, dass sein Geist uns anrührt mit einem so starken Vertrauen zu ihm. Wenn wir selbst so vertrauen und täglich unser Leben im Gebet vor Gott tragen, können wir auch für andere Menschen, die familiäre oder andere Pro-bleme haben, ein Zeugnis sein. Ein Zeugnis, wie Gott Herzen berührt, verändert, erneuert und immer neu die Hoffnung für ein gutes Miteinander wachhält.

 

Song: „Du machst alles neu“ von „Könige und Priester“

 

 

 

Gebet

Herr, du und nicht ich, du bist es allein,
was ich meine, was ich suche und nicht ich.
Herr, du weißt alle Dinge und kennst alle Herzen:
du weißt, dass mir dies fest im Sinne ist.
Herr, tue an mir, deiner armen Kreatur, was dir zum Lobe gereicht.
Gehe es, wie es wolle, dein Lob will ich sprechen,
so lange Atem in meinem Munde ist.

Vater unser ...

Segensbitte

Bestärke uns, Herr, in der Gewissheit,
dass dein Reich an jedem neuen Tag beginnt
und du uns unmerklich, aber sicher
zu deiner Liebe führst, die wir spüren, indem wir sagen:
„Herr, bleibe bei uns an diesem Tag, der schon zu Ende geht, in dieser Nacht, die anbricht, und auch an dem Tag, der danach kommt.
Bleibe bei uns bis in alle Ewigkeit.“
Amen.


(Gebet von Pierre Griolet)

Autor: Pfarrer Gottfried Kaeppel
  Happurg 19.07.20

 

 

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