Kirchengemeinden Happurg und Kainsbach

Evangelisch-Lutherische Kirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Herzliche Einladung zum Gebet in den eigenen vier Wänden nach dem Abendläuten.
Es soll eine Oase sein inmitten dieser Wüstenzeiten.

 

Verlauf:

  • Glockenläuten: Kainsbach 19.00 Uhr / Happurg 20.00 Uhr
  • Danach: Lied (sonntags mit Bläsern der Posaunenchöre an den eigenen Fenstern)
  • Entzünden der Kerze
  • Liturgie und Verkündigung nach Vorschlag von Pfarrer Kaeppel (siehe unten)

 Glocken schmalFoto: epd bild/Jens Schlueter

Unsre Vorschläge fürs Abendgebet ändern sich online von Woche zu Woche.
Schauen Sie deshalb jeden Sonntag neu auf unsere Homepage.

Es ist wichtig, dass wir in diesen Zeiten trotz Abstand zusammenhalten; deshalb:

Bitte erinnern Sie andere an dieses Angebot per Telefon.

Danke für Ihre Unterstützung!

 

AbendmahlFoto: privat

Zum Ausdrucken und Anhören:

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Lied: Meine Hoffnung und meine Freude (Evangelisches Gesangbuch 697)

Eröffnung und Gebet

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich sammle mich vor dir, Gott.
Du Stern des Abends. Halleluja.
Du Trost in der Dunkelheit. Halleluja.
Du Anfang und Ende der Zeit. Halleluja.
Gott, gedenke mein nach deiner Gnade.
Und erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Amen.

Meditation von Wilhelm + Monika Scheuerlein

Lesung für Palmsonntag aus Johannes 12,12-16

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest ge-kommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das ver-standen seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherr-licht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrie-ben stand und man so an ihm getan hatte.


Geistliches Wort zur Lesung

Liebe Gemeinde,

ein Verlust macht manches kostbarer. Aktuell trifft das auf die Atemmasken zu, die inzwischen auf dem Weltmarkt zu unglaublichen Wucherpreisen angeboten werden – vor allem die medizinischen Masken. Die wenigen, die es noch gibt, sind so kostbar geworden, dass bestellte Lieferungen immer wieder auf dubiose Weise verschwinden und gar nicht mehr ankommen. Sie fehlen ja an allen Ecken und Enden der Erde und sind doch so wichtig zum Schutz vor dem Virus.

Kostbar ist auch die Freiheit geworden, die Freiheit, die wir vor wenigen Wochen noch kannten und für ganz selbstverständlich hielten. Und wer hätte je gedacht, dass Schulstunden im Klassenzimmer wieder so kostbar werden könnten. Schließlich ist bis jetzt ziemlich ungewiss, ob der Schulbetrieb in zwei Wochen wirklich wieder aufgenommen werden kann. Ungewiss ist auch, wie es weitergeht mit dem normalen Alltag, der Arbeit, dem Leben wie wir es bisher kannten. Gerade jetzt, wo wir merken, wie zerbrechlich unsre Welt ist, könnte vielen wieder bewusst werden, wie kostbar auch die Zeit mit Gott ist. Eine halbe Minute beim Tisch- oder Gute-Nachtgebet, ist uns die Zeit mit ihm nur soviel wert?!

Den Menschen in Jerusalem, von denen das Johannesevangelium erzählt, war sie einst besonders kostbar; so sehr, dass sie für ihn alles stehen und liegen ließen. Als sie hörten, dass Jesus kommt, stürzten sie hinaus aus den Häusern und Stadtmauern. Eine große Menge ging ihm entgegen und rief: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel.“           
Wer lässt heute noch alles stehen und liegen für ihn?

Zurück nach Jerusalem: Ausgelassener Jubel war das damals nicht unbedingt. Das spürt man, wenn man Luthers Bibel-Übersetzung vom Griechischen ins Deutsche nachspürt. Der übersetzte nämlich: „... sie gingen hinaus ihm entgegen und schrien...“ – Sie jubelten nicht, sie riefen nicht, sondern schrien: Hosianna!; eigentlich: Hilf doch!

Was für eine Not muss die Menschen bedrückt haben! Wer alles stehen und liegen lässt, nur um diesen Mann so zu begrüßen, der hat Hilfe bitter nötig – so wie wir in diesen Tagen.

Was uns mit damals auch verbindet, ist die Vorfreude auf ein Fest: Damals das Pessachfest – heute Ostern. Damals war die Not größer als die Feierlaune, die Sehnsucht nach dem Retter stärker als die Vorfreude, die Begegnung mit Jesus kostbarer als die Vorbereitung auf das Fest. Wie ist das heute?

Und was machte Jesus, als die Menschen so schrien? Er fand, so wird berichtet, einen jungen Esel und setzte sich darauf. Eine ungewöhnliche Reaktion! Man könnte Jesus für seltsam halten oder aber man glaubt, dass er etwas ganz Bestimmtes im Sinn hatte. Vielleicht wollte er ein Zeichen setzen, das manche aber schon damals offenbar nicht gleich verstanden. Er wählte einen ‚jungen Esel‘ als Reittier. Solche Tiere hatten eine besondere Bedeutung. Ein junger Esel galt nämlich ursprünglich als besonders kostbar, so kostbar, dass nach jüdischem Gesetz die Erstgeburt, die Gott gehört, bei Esel und Mensch gleichbehandelt wurde. Aber unter der Fremdherrschaft der Römer war anderes kostbarer geworden. Da standen Esel wie vieles andere weniger hoch im Kurs. Eine immer größere Rolle spielte auch der Kaiser und sein Reich. Wenn Jesus auf einem jungen Esel dahergeritten kommt, zeigt er: Ich mache wieder kostbar, was früher als kostbar galt. Ich bringe wieder zur Geltung, was es bedeutet, Gott zu begegnen. Nicht der römische Kaiser und seine politischen Machenschaften bringen die Rettung der Welt, sondern der Glaube an mich hilft.

Wer auf den Weg Jesu schaut, weiß: Das sind keine Versprechungen eines puren Glücksglaubens. Auf seinem Weg ging es tief hinab und da stapelten sich Fragen. Die Jünger verstanden vieles davon erst im Rückblick. Uns geht es bestimmt ähnlich. Von Ostern zurückschauen, das hilft zu begreifen, was für ein Retter uns in Jesus entgegenkommt.

Gebet

Wir halten dir unsere Herzen hin, Jesus Christus,
wir strecken dir unsere Hände entgegen. Wir wollten dir entgegengehen, aber wir können nur mit unseren Herzen zu dir kommen.
Nur unsere Gebete sind auf dem Weg zu dir. Sie sind alles, was wir haben.

So beten wir für die Kranken, für die, denen keine Medizin mehr helfen kann, für die, die einsam sterben, für die,
die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie.

So beten wir für die Menschen, die in Krankenhäuser
und Pflegeheimen arbeiten, in Feuerwachen und Apotheken, in Kitas und Supermärkten, in Laboren und
in Ställen, in Ämtern und Gemeinden.
Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.

So beten wir für die Menschen, die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten, die Flüchtlinge, die Opfer von häuslicher Gewalt, die Missbrauchten, die Hungernden und die Einsamen. Komm zu ihnen und rette sie.

Wir halten dir unsere Herzen hin und danken dir für den Glauben. Wir wollen dir entgegengehen und hineinziehen in deine Stadt. Und wir erleben es: Du gehst mit uns durch diese Zeit; heute, in diesen Tagen der Passion, und jeden neuen Tag.
Amen.

Vater unser im Himmel...

Segen

Es segne und behüte uns, der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Autor: Pfarrer Gottfried Kaeppel,
Happurg 04.04.20

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